Herz an Hirn

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Glosse – Gauchos, so gate das einfach nicht.

So gate das nicht, liebe Nationalelf!

#rückdendönerraus

Grundsätzlich gilt das Wort „Tor“ als tendenziell positiv besetzt: Ein Zugang von der einen zu einer anderen Seite. Unter englischen Erwähnungen, die diesen Begriff beinhalten, finden sich jedoch auch grobe gesellschaftliche Schnitzer. Da hätten wir z. B.: „Watergate“, „Stargate“, „Nipplegate“, oder den kürzlich geprägten Ausdruck „Gaucho-Gate“. Was dem einen seine Spionage-Affäre im weißen Hause Nixon ist, ist dem anderen sein schlecht animierter Sci-Fi-Film der 90‘er, über ein Sternentor, durch das man zu einem anderen Planeten gelangt. Alles Schnee von gestern. Interessanter ist da doch der schlechte Animationsversuch der deutschen Nationalelf und die daraus resultierende „Gaucho-Gate-Affäre“.

Wie es dazu kam: Am Sonntag, dem 13. Juli 2014, kurz nach 23:00 Uhr deutscher Zeit lag im brasilianischen Maracanã-Stadion der Rasen voll mit weinenden Männern. Die einen weinten im blauen Trikot, waren traurig und kamen aus Argentinien und die Deutschen weinten Freudentränen im weißen Trikot. Deutschland holte den WM-Titel. Juchee! Hupkonzerte, Straßentänze, Durchzechen und der Empfang der Nationalelf am Brandenburger Tor – alles beschlossene Sache in der Heimat. Det müssn wa schließlisch feian, wa?! Also, rein in den Siegerflieger und ab in die Hauptstadt. Da sich über 400.000 jubelnde Besucher der Fanmeile an dem darauffolgenden Dienstag übereinander stapelten, durften sich die Profi-Fußballer bei ihrer Show-Einlage nicht lumpen lassen. So hüpften die Spieler in Grüppchen auf der Bühne rum und spielten Hampelmann. Was tut man nicht alles, um sich bei den Fans zu bedanken.

Ja, was tut man denn nicht alles? Luftgitarre spielen fernab von Rhythmus-Gefühl, Mitspieler, denen ein Knigge-Coaching gut täte, zur Herausgabe eines Döners auffordern, und natürlich: Den Gegner verhohnepipeln. Die heulenden Gauchos haben sich noch nicht aufgerichtet und gehen gebückt und die deutschen Gewinner gehen…gar nicht, sie hampeln so die Bühne entlang.

15. Juli 2014: Der Siegerflieger ins PR-Fiasko #Gauchogate CC-Lizenz: Gerard van der Schaaf

So, und von all diesen peinlichen Gesten soll ausgerechnet der Dance nicht angemessen gewesen sein? Manch einer hätte sich lange vor der anthropologischen Tanzeinlage ein Verschwinden durch ein Sternentor gewünscht. Denn so gate das einfach nicht und der Gaucho, der gate ganz normal. Stimmt! Das wissen auch die Hampelheinis der DFB-Elf, die mit ihrer Freude übers Ziel hinaus schossen. Es wäre zwar noch zu klären, was genau das Ziel ist, wann man eingeladen wird, sich mit den Fans zu freuen, aber das Tänzchen verursachte Ärger. Nicht etwa mit ausländischen Medien oder den Argentiniern, die haben den Schmähgesang ja quasi perfektioniert. Nein, die intellektuell veranlagte Presse, Sonderpädagogen und pensionierten Geschichtslehrer der Nation sahen sich veranlasst verstimmt das Wort zu ergreifen. Die Aufführung trat einen Shitstorm (Pädagogen nennen das anders) an Verhaltensregeln los, die die Fußballer zu beherrschen hätten. „Vorbildfunktion“ und „Botschafter“ waren Berufsbeschreibungen für einen Haufen Kerle, die man dafür bezahlt, dass sie Gegner im Ballspiel besiegen, um so Zuschauer zu unterhalten. Sämtliche WM-Leistungen negierten die Kritiker in Windeseile und zogen gar Nazi-Vergleiche heran. Dass der Fußball eigenen Regeln folgt und sowohl Fairplay als auch ein Schlechtmachen des Gegners fester Bestandteil der Fankultur sind, wurde bei der Debatte nicht berücksichtigt. Wohl nicht weiter verwunderlich, da den kritisierenden Personengruppen das Fachsimpeln über Auswirkungen von Bespitzelungs-Aktionen im politischen USA der 70’er Jahre wohl eher liegen dürfte. Selbst der gescheiterte Nixon war anscheinend Fußballfan und wusste: “It is necessary for me to establish a winner image. Therefore, I have to beat somebody.” In diesem Sinne; halten wa jetze woh’ ma alle den Ball flach, wa?!

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