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#TOA15: Nachhaltige Technologie in der Post-Smartphone-Ära

6 Kommentare

16. Juli 2015. Auch wenn es der Name der Veranstaltung nicht gleich verrät, auf dem Tech Open Air #TOA, das seit diesem Mittwoch in Berlin stattfindet, ist Nachhaltigkeit ebenso ein Thema. Auf der Treptower Seite der Spree, in grünster Großstadt-Idylle, findet derzeit DIE Konferenz der Digitalwirtschaft statt. An der Alten Teppichfabrik in Alt-Strahlau haben vor allem junge, innovative Start-Up-Unternehmer und Technik-Begeisterte wortwörtlich ihre Tipis aufgeschlagen und die Macbooks auf dem Schoß aufgeklappt.

In lässiger Atmosphäre, die so eher auf einem Open Air Festival als auf einer Konferenz zu erwarten wäre, finden sowohl Outdoor als auch in den Räumlichkeiten des alten Industriegebäudes Impulsvorträge und Networking statt. Reichlich vorhandene Strandbars sowie die dazu passend gekleideten Securities in Hawaii-Hemden sorgen für körperliches Wohlgefühl. Kaum ein deutsches Wort ertönt von den jungen und junggebliebenen Teilnehmern. Gut gefüllt sind die Sitzflächen mit Sonnenklappstühlen und Logistik-Palettenbänkchen, auf denen sich Kreative und Entwickler austauschen. Schon im Vorbeigehen lässt sich immer wieder eine Frage belauschen, die die Community bewegt: „Where did you get your inspiration?“ Eine gute Frage. Denn zum Austausch und gegenseitigem Inspirieren ist das Event auch gedacht. „Our mission is to connect, grow, and inspire the human spirit through interdisciplinary knowledge exchange and collaboration,“ lassen die Veranstalter verlauten, die das Event seit 2012 jedes Jahre aufs Neue auf die Beine stellen.

Berlin, 16. Juli 2014.  Das Tech Open Air (TOA), Europa´s erstes interdisziplinäres Festival in seine dritte Runde: An zwei Tagen wird die deutsche Hauptstadt wieder in einen internationalen Treffpunkt für die Kreativ- und Technologiewirtschaft verwandelt. Mit dabei sind mehr als 2.500 Besucher aus aller Welt, bis zu 175 internationale Speaker, Partner und Acts aus den Bereichen Technologie, Musik, Kunst und Wissenschaft sowie über 75 “Satelliten-Events”. In der alten Teppichfabrik “Protzen&Sohn”, einem der letzten Industriedenkmäler im Herzen Berlins, trifft sich heute die Kreativszene zur “Unconference”. Bei Talks, Debatten und Workshops stehen Wissensaustausch, gegenseitige Inspiration und Networking im Mittelpunkt. Am Donnerstag werden wieder zahlreiche Unternehmen und Institutionen in der ganzen Stadt verteilt eigene so genannte “Satelliten-Events” veranstalten. 2014 wird das Tech Open Air gemeinsam mit Partner MINI präsentiert.

Das Tech Open Air (TOA), Europas erstes interdisziplinäres Festival in seiner dritte Runde.

In einer Branche, die vornehmlich Start-Ups regieren, auch von „alten Hasen“ sprechen zu können, mutet bei den ausstellenden Unternehmen schon besonders an. So finden sich vor Ort aber neben etablierten Anbietern von Musiksoftware, wie Native Instruments einer ist, ebenfalls relativ neugegründete Aussteller-Unternehmen wie Spotify als Music Streaming-Lösung oder aber Online-Zahlmethoden-Newcomer Number26.  Shopping-Plattformen wie Zalando oder Outfittery sucht man selbstverständlich nicht vergebens. Applikationen, die zum guten Aussehen beitragen, kann man auf dem TOA15 also auf jeden Fall erleben. Entwicklungen, die ein gutes Gewissen beflügeln sollen, sind jedoch auch Thema.

Am späten Mittwochnachmittag stellte Aubrey Anderson, Gründer und Geschäftsführer des US-amerikanischen Unternehmens Monohm Inc. vor, wozu er sich hatte inspirieren lassen. Mit der Idee, ein Mobil-Gerät namens „Runcible“ auf den Markt zu bringen, das das reale Leben natürlicher mit dem Digitalen übereinbringen soll und auch noch nachhaltige Anforderungen erfüllt, wendet sich Anderson an die vielzähligen Zuhörer im ersten Basement der Alten Teppichfabrik.

Optisch spielt das Design von „Runcible“ bewusst auf Dinge an, die seit jeher Orientierung geben. Das handflächengroße, kreisrunde Gerät, das er mitgebracht hat, sieht aus wie eine Mischung aus Taschenuhr und Kompass. Das Rückcover besteht aus einem nachwachsenden Holz. Funktional kann das Telefon jedoch genau dasselbe wie jedes andere Smartphone. Mit einem Unterschied: Es klingelt nicht. Es beept nicht. Der Benutzer soll es zur Hand nehmen, wenn ihm der Sinn danach steht und er gerade nicht nur real, sondern auch digital mit anderen kommunizieren kann und möchte.

Mit diesem Ansatz greift das amerikanische Start-Up das immer präsentere Thema der gesellschaftlichen Entschleunigung auf. Besonderen Wert legt Anderson in seinem Vortrag darauf, zu erwähnen, dass es die Monohm Inc. mit der Langlebigkeit seiner Produkte anders hält als sonstige Anbieter. Diese, so erwähnt er, bauen ihre Geräte häufig so, dass sie nach gar nicht allzu langer Zeit den Geist aufgeben, obwohl sie das nicht müssten. Zu verhindern wäre dies seiner Auffassung nach auf jeden Fall. Das junge Tech-Unternehmen denkt nach eigenen Angaben daher ganzheitlich, was die verwendeten Materialien, den Produktionsprozess und den gesamten Lebenszyklus seines Produktes angeht. So sollen User ihr Mobilgeräte beispielsweise ohne weiteres zurückgeben können, wenn sie es nicht mehr gebrauchen, damit die Einzelteile recycelt und in den Produktkreislauf zurückgeführt werden können.

Aubrey

#TOA15: Aubrey Anderson spricht über Mobile-Geräte in der Post-Smartphone-Ära

Dass er mit dieser Geschäftsidee die Hürde zu bewältigen hat, ein angelerntes User-Verhalten zu verändern , sieht er als Chance. So rezitiert er zum Abschluss seines Vortrages John F. Kennedy, der sagte, dass die USA den Flug zum Mond anstrebte, weil sie wussten, dass es ein schwieriges Vorhaben war: „We choose to go to the moon in this decade and do the other things, not because they are easy, but because they are hard.“

Da in den USA nicht ganz untypisch, lässt der Gründer ein persönliches Storytelling in seine Präsentation einfließen und erläutert an Hand eines Bildes seiner kleinen Tochter seine Motivation. Als seinen „Moon“ bezeichnet er sie und erläutert weiter, dass es sich, seiner Auffassung nach, zu Gunsten dieser Generation lohne, ein bequemes angelerntes Verhalten aufzubrechen und die User zu mehr Nachhaltigkeit und Entschleunigung zu inspirieren. Das TOA-Publikum hat dafür Applaus übrig. Weitere Fragen hat es nicht.

Um einen bewussteren Umgang und Konsum zu initiieren, mögen diese Ansätze grundsätzlich richtig sein. Im Netz werden zu seinem Produkt jedoch auch Stimmen laut, die das Gerät als „Smartphone, das sich doof stellt“ bezeichnen.

Runcible

Das Smartphone, das sich doof stellt? Das „Runcible“ von Monohm Inc.

 

Quellen:

http://toa.berlin/about/

www.twitter.com #TOA15

http://mono.hm/

www.golem.de

 

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6 Kommentare zu “#TOA15: Nachhaltige Technologie in der Post-Smartphone-Ära

  1. Interessanter Beitrag! Wenn die Frage erlaubt ist: Wie stehst Du selbst dazu?

    • Liebes Magazin für Restkultur, Danke für euren Kommentar und die Frage. Meint ihr, wie ich zu der Entwicklung dieses Telefons stehe, also ob ich es für sinnvoll halte?

      • Ja, genau – aus dem Beitrag geht das nur indirekt hervor … 🙂

  2. Das sollte es auch. 🙂
    Also, ich finde es generell gut, dass nachhaltige Technologien Thema waren auf dem Event. Am meisten kann ich bei dem Telefon mit dem Aspekt etwas anfangen, dass die Komponenten nicht früher als nötig ihren Geist aufgeben. Ein Umdenken in diese Richtung würde ich bei allen Anbietern begrüßen. Was die Form und Funktion des Telefons betrifft, würde es mein Kaufinteresse nicht wecken. Das halte ich für Design-Gedudel. Da würde ich mit anderen Stimmen im Netz übereinkommen, die grob zusammengefasst meinen, dass jeder, der mal Ruhe haben möchte, sein beependes Telefon einfach in den Flugzeugmodus schalten kann. Dieser andersartige Ansatz von Monohm überzeugt mich persönlich nicht. Wie findet ihr denn die Idee?

    • Unabhängig vom Design und den Funktionen finde ich es erstmal fein, dass der „Rückgabegedanke“ da ist. Generell bin ich persönlich ohnehin nicht zu stark für Technik-„Kram“ zu begeistern, weshalb ich mich nicht als potenziellen Käufer sehe. Intelligent und sympathisch finde ich es dennoch, dass das Gerät etwas von vornherein nicht kann – also, dass der Nutzungsumfang gewissermaßen per „Designdekret!“ beschränkt wird. Ein feines Unterscheidungsmerkmal, denn auf dem Smartphone-Markt muss man mit Sicherheit quer denken, um sich in irgendeiner Weise überhaupt zu differenzieren. Und ein Smartphone, „das sich doof stellt“, wie Du schreibst, hat doch auch etwas. Vielleicht ist es schließlich ja das Gerät, das sich selbst für obsolet erklärt. Eine irgendwie doch irrsinnige Designredudanz, die mich zumindest amüsiert und der ich schon alleine deshalb viel abgewinnen kann, weil ich uns „Hier-und-Heute-Menschen“ als allzu verkabelt und verstreamt (mich eingeschlosssen) empfinde. Ob es nun „ehrlich“ ist, dass es hölzern daher kommt, um die Naturverbundenheit unter Beweis zu stellen, sei da eine andere Frage. Es gab doch vor einiger Zeit so etwas wie eine Smartphone-Holzattrappe, die nichts konnte, fällt mir dazu ein und die doch reissenden Absatz fand! 🙂 Danke für Deine Einschätzungen/Dein Feedback!

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